Vorwort

Jahrgang V, Ausgabe 2, 2011, doi:10.33178/scenario.5.2.0
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Liebe Leserinnen und Leser,

mit dieser Ausgabe blicken wir nunmehr auf 5 Jahre SCENARIO zurück und freuen uns über das weltweit wachsende Interesse an unserer Zeitschrift, die sich als Wegbereiterin einer performativen Lehr- und Lernkultur versteht.

Zu Beginn dieser Ausgabe erscheint in der Rubrik Texte ums Theater ein Auszug aus Johann Wolfgang von Goethe’s Faust (Erstveröfflichung 1808). Es handelt sich um ein Gespräch zwischen einem Theaterdirektor und einem Dichter (und einer „lustigen Person“), in dem es um die Kernfrage geht, inwieweit Stücke auf das Unterhaltungsbedürfnis von Zuschauern zugeschneidert werden sollten. Seitdem Goethe an Faust arbeitete, sind zwar etwa zwei Jahrhunderte vergangen, doch erscheint der Text hochaktuell, wenn man daran denkt, wie im Bildungsbereich und Kultursektor die Institutionen immer mehr unter Rechtfertigungsdruck geraten und – oft an Zuschauerzahlen geknüpfte – Erfolgsquoten nachweisen sollen. Darüber hinaus handelt es sich ja um eine ausgesprochen didaktische Frage: Welche Art von Stück soll wie, mit welchen Mitteln und zu welchem Zweck erarbeitet bzw. aufgeführt werden?

Die ersten beiden Artikel führen uns nach Südafrika. Edda Holl (Goethe-Institut Johannesburg, Südafrika) gibt in ihrem Beitrag SPRACH-FLUSS: Theaterworkshops mit Jugendlichen aus 16 afrikanischen Ländern – Theaterpädagogik zwischen kultureller Bildung und Fremdsprachendidaktik einen Einblick in die theaterpädagogische Arbeit mit Jugendlichen, die ganz verschiedenen sprachlichen und kulturellen Hintergründen entstammen sowie in Fortbildungsveranstaltungen mit Deutschlehrkräften aus Afrika und Deutschland, die sich mit der Frage auseinander setzten, wie sich theaterpädagogische Übungen für den Deutschunterricht abwandeln lassen.

Gisela Fasse (Heinrich-Heine-Gymnasium, Köln) bietet in ihrem Beitrag PROBE! – Praxislabors für kreative Lernwege. Ein Konzept für offene Lernprozesse in heterogenen Lerngruppen eine komplementäre Perspektive an. Im Zentrum stehen Projekte mit Kindern und Jugendlichen im vielsprachigen Subsahara-Afrika, in denen Theater- und Spracharbeit zusammengeführt wurden. Dabei wurden theaterbezogene Verfahren mit Ansätzen aus der Mehrsprachigkeitsdidaktik und den Bereichen Körperarbeit und Kommunikationstraining in Beziehung gesetzt.

Sabina Vecchione Grüner (Liceo Ginnasio "Francesco Petrarca", Trieste, Italien) und Sigrid Unterstab (Wortspiel Berlin) beschreiben in ihrem Beitrag Die Welt – ein (virtuelles?) Lebensdorf, wie Schüler/innen an einem Gymnasium in Triest im Rahmen des Deutschunterrichts aus improvisierten Szenen nach und nach ein Stück entwickelten.

Die folgenden drei Artikel beleuchten Aspekte der Fremdsprachenvermittlung an Universitäten.

Siegfried Böhm (Universidad Nacional Autónoma de México, México City) richtet in seinem Beitrag Affektiv ist effektiv: Dramatische Aktivitäten als Hilfsmittel zur Erlangung einer interkulturellen Sensibilität im Fremdsprachenunterrich“ den Fokus darauf, wie in einem dramapädagogisch gestalteten Deutsch als Fremdsprache-Unterricht „interkulturelle Sensibilität“ gefördert werden kann.

Filippo Fonio und Geneviève Genicot (Université de Grenoble) prüfen in ihrem Beitrag The compatibility of drama language teaching and CEFR objectives - Observations on a Rationale for an Artistic Approach to Foreign Language Teaching at an Academic Level sorgfältig, inwiefern die Ziele des Europäischen Referenzrahmens durchaus mit dem Einsatz dramatischer Aktivitäten im Fremdsprachenunterricht vereinbar sind und plädieren, ausgehend von ihren Erfahrungen in Italienischkursen an der Universität Grenoble, für eine künstlerische Orientierung des Fremdsprachenunterrichts auf universitärer Ebene.

Erika M. Nelson (Union College, Schenectady, NY, USA) beschreibt in ihrem Artikel Lola reruns in the classroom: Dramatic improvisations on the film Run Lola Run for intermediate German instruction exemplarisch, wie ein Film zum Ausgangs- und Bezugspunkt für dramapädagogische Unterrichtsarbeit werden kann. Die von ihr vorgeschlagenen Materialien, Verfahren und Ideen dürften insbesondere für Kolleginnen und Kollegen, die in der Fremdsprachendidaktik den Brückenbau zwischen Film und Drama vorantreiben möchten, von Interesse sein.

In der neuen Rubrik Praxisfenster stellt Susanne Even (Indiana University, Bloomington, IN, USA) die Multiple Hotseating vor, eine Variante und Weiterentwicklung der bekannten Technik des „Heißen Stuhls“, die sich besonders für Lernergruppen anbietet, die noch nicht viel dramapädagogische Erfahrung haben.

Daran schließt sich ein Gespräch mit Renate Breitig, der Gründerin von TUSCH, Berlin, einem Kooperations-Netzwerk für Kulturelle Bildung im Bereich Theater, an. Im Zentrum des Gesprächs stehen Aspekte der Kooperation zwischen Theater und Schule.

Zwei Rezensionen runden diese Ausgabe ab. Christiane Günther (University of Wales, Swansea) bespricht Gerlinde Kempendorff-Hoenes Lehrer und Kabarettisten (2010) und Rachel Darby (Cork, Irland) Edda Holls (2011) SPRACH-FLUSS: Theaterübungen für Sprachunterricht und interkulturelles Lernen.

Wir möchten zum Schluss darauf hinweisen, dass die nächste SCENARIO-Ausgabe (1/2012) auf Vorträgen basiert, die in der Arbeitsgruppe 11 (Theatermethoden und Fremdsprachenforschung) auf der Jahrestagung 2011 der Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachenforschung (DGFF) gehalten wurden.

Mit besten Grüßen aus Irland und den USA

Manfred Schewe & Susanne Even

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